Bollettino

Bollettinos zum Nachlesen

Februar 2023

Das war meine Rettung – die Rettung Jonas

Wenn ich Besuche mache, dann erzählen mir Menschen von schlimmen Erlebnissen, Ereignissen, von ihrer Verzweiflung, Angst, Sinnlosigkeit weiterzumachen in diesem Leben.

Eine schlimme Krankheit nimmt die Perspektive, das Gemobbt werden ist nicht mehr auszuhalten, der Suizid eines geliebten Menschen ist nicht zu fassen. Die Ehescheidung und das Nichtsehen der Kinder nimmt einem jede Hoffnung. Geschichten aus einem Leben, das an die eigenen Grenzen gestoßen ist. Dann steht man vor einem Chaos und sagt: „Das war’s, ich kann und mag nicht mehr“. In dem Moment, wo wir das erkennen, reagieren Menschen sehr unterschiedlich; mit Verdrängen und Wegschieben, mit Ignorieren, Überspielen oder mit Weglaufen, mit laut werden, oder das Gegenteil behaupten. Manche Menschen greifen zum Alkohol, zu Tabletten um zu vergessen und sich ja nicht damit auseinandersetzen zu müssen. Diese unterschiedlichen eigenen „Rettungsversuche“ funktionieren meistens sehr gut. So gut, dass man sie manchmal sogar selber glaubt und vergisst, dass man eigentlich gerettet werden wollte.

Andere Menschen holen sich oder bekommen unverhofft Hilfe. Diese Menschen erzählen dann auch von dieser einen, lebensrettenden, Wendung ihres Lebens. Dem Neuanfang oder dem lang ersehnten Ende. Ich finde es so tröstlich, diese „Rettungsgeschichten“ zu hören, weil darin die Verheissung versteckt ist, dass es für jeden eine Rettung geben kann. Wahre Rettung ist eben keine Ablenkung und kein Ausweichen. Diese „Rettung“ ist hart, stürmisch, unnachgiebig und vor allem unglaublich fordernd.

Eine berühmte Rettungsgeschichte ist die von Jona aus der Bibel. Er erhält einen Auftrag, den er nicht erfüllen will: Er soll nach Ninive gehen und die Menschen dort darüber aufklären, dass sie nicht so leben, wie es Gott gefällt. „Predige wider sie“, sagt Gott. Und natürlich ist das keine schöne Aufgabe für Jona. Sie ist sogar höchst unangenehm. Er erwidert allerdings nichts. Statt zu antworten, zu argumentieren, statt sich zu weigern, läuft er heimlich davon. Zum nächsten Schiff im Hafen, das genau in die entgegengesetzte Richtung fährt. Von außen betrachtet ein völlig skurriler Plan: Vor Gott davonlaufen, noch dazu als Prophet, quasi als direkter Mitarbeiter Gottes.

Davonlaufen ist beliebt: Aber das Davonlaufen ist eben auch eine beliebte Art und Weise mit dem Leben und den Problemen umzugehen. Wenn das mit Bedacht sortierte und gestapelte Kartenhaus unseres Lebens zusammenfällt, weil Gefühle aufbrechen, die wir nicht gebrauchen können, klingeln plötzlich schrille Alarmglocken in den Ohren und wir versuchen alles, damit dieser Ton endlich aufhört. Wenn Jona davonläuft, ist es ähnlich. Es soll einfach aufhören. Die Stimme soll aufhören, etwas von mir zu verlangen. Etwas von dem ich tief drinnen weiß, dass es sein muss. Bei Jona muss es sein, weil es zum Prophetenjob dazu gehört, Gottes Worte zu sagen. Bei uns muss es sein, weil......... zum Weiterlesen!

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Januar 2023

1. Mose 16,13 Du bist ein Gott, der mich sieht!

Bei der Jahreslosung fiel mir sofort das Lied des gläubigen Sängers Xavier Naidoo ein. „Sie sieht mich nicht“ ist der Titel dieses alten Liedes aus dem Jahr 1999. Es handelt von übersehener, nicht wahrgenommener, verschmähter Liebe: „Ich bin wenig königlich, sie sieht mich einfach nicht ... Sie hat all das, was ich nicht hab, sie sieht mich einfach nicht.“

Nicht gesehen zu werden, kein Ansehen, keine Aufmerksamkeit, keine Beachtung, keine Achtung zu finden, ist ein Problem, mit dem viele Menschen zu kämpfen haben. Kinder und Jugendliche genauso wie Erwachsene. Menschen aller Generationen und gesellschaftlichen Gruppen. Angehörige benachteiligter Minderheiten sind vielleicht besonders betroffen. Aber das Gefühl, nicht gesehen zu werden, ist auch dort weit verbreitet, wo man es auf den ersten Blick gar nicht vermuten würde. Auch in Kirchen und Gemeinden.“ Bei mir kam noch nie jemand von der Kirche vorbei.“ „Mich hat noch nie ein Pfarrer im Krankenhaus, Altenheim oder zuhause besucht. Dabei war ich so krank - man hat mich einfach nicht wahrgenommen, nicht gesehen!“ Ja, das stimmt! Aber ich als Pfarrerin weiss ja oft nicht, wer gerade im Krankenhaus liegt. Und wenn es mir nicht jemand aus der Kirchgemeinde oder ein Nachbar mitteilt, kann ich es ja nicht erahnen. Also, bitte bitte melden sie sich!

Ja, so geht es einigen Menschen um uns herum. Sie fragen sich: Wo bist Du Mensch, warum nimmst Du mich nicht wahr mit meinen Problemen. Ja, Gott, wo bist Du? Siehst Du mich nicht? Ich habe Probleme in der Familie, Streit in der Ehe, Probleme mit den Kindern, mit der Arbeitsstelle. Diese Krankheit bringt alle und alles durcheinander! Warum, warum ich? So sagte es mir vor kurzem ein Ehemann, der seine Kinder nicht sehen darf, weil seine Frau ihm nach der Trennung alle Steine in den Weg legt. Geschiedene Ehemänner solcher Frauen haben es nicht nur in der Weihnachtszeit schwer. Sie werden einfach übersehen. Siehst Du mich nicht, Herr?

Das Wort aus Genesis 16,13 Du bist ein Gott, der mich sieht, wird von der Zweitfrau Abrahams, Hagar, ausgesprochen...hier können Sie weiterlesen....https://moesano-ref.ch/assets/main/downloads/bollettino-gennaio-2023.pdf

Dezember 2022

1. Johannes 4:9

Daran ist erschienen die Liebe Gottes, daß Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, daß wir durch ihn leben sollen.

Den Winter mag nicht jeder! Aber wenn es draussen schneit und es kuschelig warm zuhause ist, schauen wir gerne mal nach draussen und beobachten die Schneeflocken.
Jede Schneeflocke, jeder Schneestern ist wundervoll und einzigartig, keine davon gibt es zweimal auf der Welt. Und wenn wir Skifahren oder einen Schneemann bauen wollen, braucht es mehr als eine. Aber nicht jeder Schnee eignet sich für alles: mit klebrigem Schnee bauen wir tolle Schneemänner, fluffiger Schnee ist herrlich zum Skifahren und der «Rutschihügel » auf dem Schulplatz wird erst so richtig lustig, wenn er festgepresst ist. So wie viele Schneeflocken erst Schnee ergeben, so gehören auch viele Menschen dazu, um eine gute Kirchgemeinde zu gestalten.

Jeder und jede von Ihnen/uns bringt ihre/ seine Qualitäten mit und macht Gottes Kirche zu dem, was sie ist: eine bunte, fröhliche, empathische, herzliche, professionelle Institution, die Voraussetzungen schafft, so dass jeder Mensch sich hoffentlich darin wohlfühlen kann. Denn jeder Mensch ist von Gott einzigartig geschaffen worden mit seinen Gaben. Der bekannte Autor C.S. Lewis schrieb einmal:“ es gibt keine gewöhnlichen Menschen.“ Er hat recht, denn jeder einzelne Mensch ist absolut einmalig. Niemand ist wie du. Dein Aussehen, deine Stimme, dein Charakter, deine Angewohnheiten, dein persönlicher Geschmack – all das macht dich einmalig. Das Wort „einmalig“ sagt es auch sehr klar: Dich gibt es nur EIN MAL! Sogar deine Fingerabdrücke unterscheiden sich von denen aller Menschen. Du bist nicht das Produkt einer „kosmischen Fliessbandabfertigung“. Du bist wirklich einzigartig. Gott hat dich gemacht, dass Du ihm ähnlich bist. Dass du sinnvoll leben, lieben, dich freuen und mit ihm persönlich Gemeinschaft haben kannst. Die Bibel zeigt uns immer wieder, dass Gott aller grösstes Interesse an uns als Individuen hat. Ja, Gott sieht sehr wohl unsere Sorgen und Nöte, unsere Angst und unsere Schmerzen. Gott ist nicht gefühlskalt und kaltherzig, er will mit uns unser Leid teilen. Wir sind für ihn wertvoll, liebenswert und wunderbar geschaffen, obwohl wir oft unsere eigenen Wege gehen und nicht an IHN denken. Trotzdem sind wir für ihn wertvoll, er gibt uns nicht auf, er hört nicht auf, uns zu lieben! Deswegen hat er seinen Sohn in diese Welt gesandt, um uns zu zeigen, was Liebe ist; wie wir miteinander umgehen sollen; was wirklich Priorität im Leben hat und um uns wieder auf die Spur zu ihm zu bringen – das ist Weihnachten! Schlussendlich war Gott sogar bereit, seinen Sohn Jesus Christus für uns sterben zu lassen, das Liebste schlechthin, damit er mit uns ewig leben kann, wenn wir an IHN und Jesus Christus glauben.

Daran ist erschienen die Liebe Gottes, daß Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, daß wir durch ihn leben sollen.

An dieser Stelle, zu Weihnachten und zum Jahresende, möchte ich mich bei Euch/Ihnen allen für eure Verschiedenartigkeit bedanken, für all Ihre/Eure Qualitäten, Ideen und Impulse, die Ihr den Menschen weitergebt, auch für Eure verschiedenen Arten, wie Ihr mir begegnet. Und ich danke Ihnen/Euch für das Vertrauen, das Ihr mir bis jetzt entgegengebracht habt. Gemeinsam tragen wir diese Kirchgemeinde. Ich wünsche Euch besinnliche Festtage, Gesundheit und Freude im neuen Jahr und Gottes reichen Segen, die wie Schneeflocken vom Himmel fallen. Und ich freue mich immer über einen Anruf von Ihnen – gerne komme ich bei Ihnen vorbei. Zu Advent und Weihnachten kann ich nur sagen wie der Psalmbeter: Herr, mein Gott, du bist einzigartig , denn du hast so viele Wunder getan und alles sorgfältig geplant. ( Psalm 40,6)

Ich wünsche Ihnen/Euch einen gesegneten Advent und Frohe Weihnachten, Ihre Pfarrerin Susi Ortmann https://moesano-ref.ch/assets/main/downloads/bollettino-dicembre2022.pdf

November 2022

Prediger 3, 14 Ich merkte, dass alles was Gott tut, das besteht auf ewig!

Friedhof: Schluss, aus, vorbei. Was ist mit denen, die sterben? Sind sie einfach weg? Diese Frage bewegte die Menschen schon immer und viele Kulturen haben ihre eigenen Erklärungen und Riten gefunden, wie sie das, was sie glauben zum Ausdruck bringen. Da werden Grabbeigaben für ein Leben im Jenseits gegeben oder ein Geldstück für den Fährmann auf die Augen gelegt. In Israel gibt es keine Grabstätte, die aufgelöst wird, alle bleiben bestehen – bis zum Jüngsten Tag. Auch wir Christinnen und Christen haben Sitten und Gebräuche, die unseren Glauben zum Ausdruck bringen, die Achtung vor dem/ der Verstorbenen ausdrücken. Wir glauben nicht, dass sie einfach weg sind, die Toten. Wir hoffen auf mehr, so wie es der Prediger ausdrückt: Ich merkte, dass alles, was Gott tut, das besteht auf ewig (3, 14). Dieser Satz weist über unser Leben im Hier und Jetzt weit hinaus. In unseren Herzen sind wir auf Ewigkeit hin ausgelegt. Der christliche Glaube beantwortet nicht, wie wir aussehen, was von uns bleibt. All das bleibt uns verborgen. Nur eines wissen wir: Der Friedhof ist nicht das Ende. Das nimmt uns vielleicht nicht die Angst vor dem Tod, denn er ist und bleibt ein enormer Einschnitt ins Leben. Nicht nur für den, der geht, sondern gerade auch für diejenigen, die zurückbleiben. Wir dürfen aber wissen: Der Tod nimmt uns nicht einfach weg. Er entsorgt uns nicht. Gott gibt uns, wenn wir an Jesus Christus und seine Auferstehung glauben, vielmehr ein anderes, ein neues Leben. Er ist die Tür zu Gottes Ewigkeit, die wir eigentlich im Herzen immer schon mit uns tragen.

Doch die Art, wie Menschen ihre Angehörigen beerdigen, ist im Wandel und dies ist schon seit Menschengedenken so. In unserer Zeit beschleunigt sich dieser Wandel in der Bestattungskultur: Neben traditionellen Erdbestattungen und Trauerfeiern mit anschließender Urnenbeisetzung treten zunehmend neue Formen auf: von der ökologisch verträglichen Beisetzung im Wald bis hin zur Verstreuung der Asche. Andererseits gibt es immer mehr anonyme Bestattungen, bei denen die Würde und Individualität des Einzelnen verloren zu gehen droht. Die Gründe für den Wandel sind vielfältig: Teils sind es finanzielle Nöte, die keine teure Beerdigung erlauben. Teils besteht der Wunsch, den Hinterbliebenen keine Arbeit zu machen. Und teils gibt es ein Bestreben................zum Weiterlesen https://moesano-ref.ch/assets/main/downloads/bollettino-novembre-M-.jpeg.pdf

Oktober 2022

Ende September, Anfang Oktober wird geerntet und trotz des schwierigen Wetters und der Hitze dieses Jahres ist genug für uns alle da! Aber alles wird teurer und die Ärmeren spüren das deutlich! Die Spanne von Armut und Reichtum geht immer weiter auseinander! Am 16. Oktober findet wie jedes Jahr der Welternährungstag oder Welthungertag statt. Seit 1979 soll dieser Tag auf die weltweit hungernden Menschen aufmerksam machen. Das sind gegenwärtig ca. 800 Millionen Menschen. Helfen die Reichen den Armen?

 

Ein reicher Kornbauer hat eine unerwartet gute Ernte, mehr als er zum Leben braucht. Nach anfänglichem Kopfzerbrechen vergrößert er seine Lagerkapazität. So verschafft er sich viel Vorrat. Er freut sich auf ein abgesichertes Leben, ohne Sorgen, voller Entspannung und puren Genuss. „Liebe Seele, habe nun Ruhe; iss, trink und habe guten Mut!“

Dass die Seele satt wird, ist wichtig. Denn sie macht unser Lebensgefühl aus. Leider ist sie sehr anfällig für die Angst, zu kurz zu kommen, weniger zu haben als andere. Ich muss nur genug haben, genug Korn, genug Geld, dann bin ich am Ziel, dann bin ich glücklich und zufrieden – diese Gedankenkombination ist ein Trugschluss. Die Seele isst nun mal kein Korn. Sie wird nicht allein satt von Besitz, Reichtum und Macht.

Womit füttern wir unsere Seele? Sie ernährt sich zum Beispiel von Dankbarkeit und Freude, von glücklichen Augenblicken, die man mit anderen erlebt, von Lieben und Geliebtwerden.

Die Seelenruhe des Kornbauern, seine Sicherheit trügt; so erzählt es Jesus einmal in einer Geschichte (Lukas 12,16-21). Noch bevor der Bauer seine Pläne verwirklichen kann, stirbt er unverhofft des Nachts. Vom doppelten Plus rutscht er ins absolute Minus. Armer Reicher!

Wie kommt’s? Das nur auf sich selbst bezogene Leben hat – biblisch gesehen – keine Perspektive, keine Zukunft, sagt Jesus. Nicht seine üppige Ernte, sein Reichtum oder seine Vorsorge an sich sind falsch oder schlecht. Verhängnisvoll ist vielmehr seine Kurzsichtigkeit. Er sieht nur sich, denkt nur an sich, sorgt nur für sich. Er lebt im Sog der Habgier, bezieht Gott in sein Leben nicht ein. Er denkt auch nicht an andere. Die Worte „Teilen“ und „Abgeben“ sind ihm fremd. „So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott“, gibt Jesus zu bedenken.

Wie ist man reich bei Gott? Bei Gott reich sein bedeutet interessanterweise, mit leeren Händen vor Gott zu stehen, das zum Leben Entscheidende von ihm zu erwarten. Ich bin reich bei Gott, wenn ich ihn in mein Leben und Denken, Tun und Lassen einbeziehe, wenn ich ihm vertraue, mich von seinen Worten und Werten leiten lasse. ........... zum Nachlesen......

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September 2022

Liebe Gemeinde
„Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“
heißt es bei Paulus

Das Leben steigen lassen

Die Fäden fest in der Hand halten
 Leine geben und Leine einholen
 Kurven fliegen und Loopings schlagen
 Widerstand spüren

Einen Augenblick mitlaufen

Gezogen werden

Loslassen können

Der Herbst ist für mich eine besondere Zeit, vor allem dann, wenn er mit einem Wetter wie diesem Wind daher kommt. Die Kälte des Morgens lässt mich ahnen, dass der Sommer seine Zeit gehabt hat und der Winter seine Zeit bekommen wird.Die Wärme des Mittags lässt mich Energie und Kraft tanken für die kühle Zeit, die kommt. Das besondere Licht lässt die Farben leuchten, mit denen sich die Blätter an den Bäumen verabschieden für dieses Jahr.Ich spüre die Veränderung. Alles hat seine Zeit. Das Kommen und das Gehen gehören zum Leben.

Ich mag auch den Wind im Herbst. Besonders am Meer genieße ich seine Kraft, die mir den Rücken stärkt, wenn ich mit dem Wind unterwegs bin oder sich mir in den Weg stellt, wenn ich entgegen den Wind laufe. Meine Kinder liebten vor allem das Drachensteigen mit dem Opa: Den aufregenden Start, die Kraft, mit der der Drache an der Leine zieht, die lustigen Kurven und Loopings, die man drehen kann, bis ganz dicht über den Boden, bis der Drache abstürzte und wieder neu gestartet werden musste. Schon beim Zuschauen spüre ich die Kraft und die Lebendigkeit des Drachens im Wind. Alles hat seine Zeit. Das Auf und Ab gehört zum Leben.

Der Wind ist in der Sprache der Bibel viel mehr als ein Naturphänomen.Wind – pneuma – das ist auch der Lebensatem, den Gott dem Adam eingehaucht hat am Anfang der Zeiten, damit er lebendig wurde. Wind – pneuma – das ist auch der Hauch, den Gott in der Vision des Propheten Ezechiel über das Totenfeld wehen lässt, damit die Verstorbenen neues Leben haben. Wind – pneuma – das ist auch der Geist, der uns befreit. Der kindliche Geist, der uns rufen lässt: Abba, lieber Vater. Der Geist Gottes, der uns zu seinen Kindern macht:
Juli / August 2022 ........ zum Weiterlesen https://moesano-ref.ch/assets/main/downloads/Bollettino%20Sept%202022.pdf

Juli / August 2022

Matth 28, 16-20 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Das also sind, nach dem Matthäusevangelium, die letzten Worte Jesu an seine Jünger. Letzte Worte haben Gewicht! Sie sind oft Rückblick, Bilanz, manchmal auch Lebensprogramm, sogar Auftrag. Diese Worte sind wichtig! Man merkt das schon daran, dass es gewiss einige unter Ihnen gibt, die sie auswendig kennen. Man hört sie oft in der Kirche, bei jeder Taufe. Sie werden gelernt, im Reliunterricht und im Konfirmandenunterricht. Sie haben eine ungeheure Wirkung nach sich gezogen, bis heute. Bis heute gehört Mission zum Selbstverständnis der Kirche, gibt es Missionswerke und Missionsfeste. Bis heute gibt es Gottesdienste, die „Im Namen Gottes des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes“ eröffnet und in denen Menschen „auf den Namen…“ getauft werden. Bis heute gibt es christliche „Lehre“, Religions- und Konfirmandenunterricht und religiöse Erziehung, vom Kindergarten bis an die Universität und hoffentlich auch noch in Familien. Eine unglaublich starke Wirkungsgeschichte. Aber war sie auch immer gut? Gibt es da nicht auch eine Schattengeschichte, ja eine Blutgeschichte? Ich meine nicht nur die Kreuzzüge und Zwangstaufen und Verfolgung von Andersgläubigen und Religionskriege bis ins 18. Jahrhundert hinein, und das alles im Namen Jesu. Heute erleben wir durchaus sehr kritische Diskussionen etwa zur Missionsgeschichte, die immer auch ein Teil der Kolonialgeschichte war und rassistische Züge aufwies. Oder zur christlichen Erziehung, die nicht nur in den Heimen, sondern auch in Pfarrhäusern und frommen Familien vor allem aus einem Katalog von Verboten und Strafen bestand und in vielem schwarze Pädagogik war, wenn nicht Schlimmeres. Diese Kritik ist nicht nur dem Zeitgeist – was immer das ist – geschuldet. Es ist eine Kritik, die wir heute auch selbst üben müssen, gerade wenn wir uns an Jesu und seinen Worten ausrichten. Ja, diese letzten Worte Jesu waren nicht nur der Beginn einer Segensgeschichte, sondern auch der Beginn ungeheurer und schrecklicher Missverständnisse. Und ein bisschen sind diese Missverständnisse in diesen Worten selbst angelegt. Man kann sie auch gewalttätig hören. Da ist die Überschrift, die nicht von Jesus oder Matthäus stammt, aber noch heute in der Lutherbibel 2017 zu lesen ist: „Der Missionsbefehl“, manchmal auch „Der Taufbefehl“. Das klingt doch militärisch und imperial. Und geht es nicht so weiter? Mir ist gegeben alle Gewalt…machet zu Jüngern alle…lehret sie halten alles, was ich euch befohlen haben…das kann man dann alles in diesem Duktus lesen. So kann das Jesus nicht gemeint haben! Das passt einfach nicht zu ihm, ganz und gar nicht. Er hatte es ja nicht so mit dem Militär und mit Befehlen und Gewalt war ihm ein Gräuel. Das schlägt all dem ins Gesicht, was wir sonst von Jesus wissen. Was aber hat Jesus dann gemeint? Wie verstehen wir richtig?

Wie immer hilft auch hier das genaue Lesen und Hören............ zum Weiterlesen.. siehe bei

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Was feiern wir an Pfingsten?

Johannes 14,25-27 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Pfingsten, was ist das? An Pfingsten feiern Christen das Kommen des Heiligen Geistes. Nach Ostern und Weihnachten ist es das höchste Fest im Kirchenjahr. Hintergrund ist das jüdische Erntedankfest Schawuot, das 50 Tage nach Pessach gefeiert wird. Bis zum 4. Jahrhundert lagen Pfingsten und Christi Himmelfahrt auf einem Tag. Erst später entwickelten sich daraus zwei eigenständige Feiertage. Im Kirchenkalender endet mit Pfingsten die Osterzeit. Pfingsten hat viele Bräuche und Symbole hervorgebracht. So steht die Taube für den Heiligen Geist, der laut dem Johannesevangelium bei der Taufe Jesu wie eine Taube über ihm geschwebt sein soll. In der Bibel wird berichtet, dass der Heilige Geist am Pfingsttag auf die Jünger und Apostel herabgekommen ist. Plötzlich konnten sie fremde Sprachen sprechen und Menschen aus aller Welt von den Taten Jesu berichten, heißt es in der Apostelgeschichte im Neuen Testament. Diese plötzliche Fähigkeit wird auch als "Pfingstwunder" bezeichnet. Petrus begeisterte seine Zuhörer mit der Botschaft Jesu anschließend so sehr, dass sich der Erzählung nach 3.000 von ihnen taufen ließen. Deshalb wird an Pfingsten auch der "Geburtstag der Kirche" und der Beginn der weltweiten Mission gefeiert.

Und was bedeutet das für uns heute?

„Mit Pfingsten und dem Heiligen Geist, das ist mir alles sehr unklar“, sagen mir immer wieder Menschen. Auch solche, die die Bibel gut kennen: Sie wissen von den Jüngern Jesu, und den Begegnungen nach Ostern. Sie wissen und glauben, dass Jesus lebt. Aber das Pfingstereignis.......

Auch den Menschen damals ging es wohl ähnlich. Nachdem die Begegnungen mit Jesus endeten (Himmelfahrt), brachten sie gerade mal die Energie auf, sich regelmäßig im kleinen Kreis zu treffen und eine freigewordene Stelle wieder zu besetzen. Und: Auf die geheimnisvolle Kraft zu warten, die ihnen Jesus versprochen hatte. Alles sehr unklar! Bis dann das Ereignis eintrat, dass........... zum Weiterlesen..

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Mai 2022

WELCHE SPUR HINTERLÄSST MAN IM LEBEN

Zahlreiche Spuren von Tieren kann ich entschlüsseln. Den Fußabdruck eines Menschen kann ich natürlich auch leicht von dem eines Tieres unterscheiden. Aber manchmal frage ich mich, ob ich die Spuren eines Menschen, die er in meinem Leben hinterlassen hat, auch richtig deuten kann? Es sind viele Spuren von Menschen, die ich in meinem Leben entdecke. Da sind zu allererst natürlich meine Eltern, meine Geschwister und deren Familien, meine Omi, meine Lehrer, mein Mann, meine Kinder und natürlich meine Freunde. Alle Spuren dieser Menschen haben mein Leben geprägt. Dabei kommt es gar nicht darauf an, wie oft und wie lange ich dem Menschen begegnet bin, dass er Spuren hinterlassen konnte. Es kommt auch nicht darauf an, ob er jetzt da ist. Ich versuche einfach im Nachhinein seine Spuren zu lesen und zu deuten. Und darum geht es auch im Johannesevangelium. Lazarus war krank. Vermutlich hätte Jesus ihn heilen können. Aber es geht im Johannesevangelium um etwas viel Größeres. Lazarus und Jesus waren gut befreundet. Man merkt es ja auch daran, dass Jesus sehr ergriffen war als er am Grab seines Freundes stand und weinte. „Seht, er muss ihn sehr lieb gehabt haben!“, so sagten die Leute zueinander. Lazarus wird Spuren im Leben Jesu hinterlassen haben.Und dann geschieht das Unfassbare, das Unglaubliche, das Wunder. Dieser Jesus erweckt seinen Freund Lazarus wieder zum Leben. Im Evangelium steht nichts von der Reaktion der anderen Leute. Aber wir können erahnen, dass Freude und Entsetzen, Begeisterung und Angst, Glaube und Zweifel sich ziemlich die Waage hielten. Oder wie würdest du auf so etwas reagieren? Aber es geht – wie gesagt – um viel mehr. Es geht um uns alle, um unsere Spuren, die wir bei anderen hinterlassen..............

Bollettino Mai https://moesano-ref.ch/assets/main/downloads/bollettinos/bollettino-maggio-M-.pdf

April 2022

Eines Tages werde ich sterben, doch Gott hat einen Ausweg aus der Sackgasse unseres Todes.

Der Tod gehört zum Leben. Einerseits kann ich die Tatsache nicht ignorieren, doch ich verdränge sie so gut wie möglich. Ich hänge an meinem Leben, an dem Leben meiner Liebsten, meiner Freunde und Bekannten. Doch der Tod vernichtet Leben, Zusammensein, Gemeinschaft. Das sehen wir anhand der Bilder aus dem Krieg in der Ukraine. Doch nicht nur dort: Der Tod greift auch um sich bei Menschen, die verhungern oder sich keine Medikamente kaufen oder leisten können. Das vergessen wir zu oft. Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen mit dem Tod genau dasselbe machen wie ich – verdrängen! Also, dass unser Leben vergeht, wissen wir. Aber was kommt danach?

Gott beantwortet unsere Frage „Was kommt nach dem Tod?“. Seine Antwort darauf ist klar, denn Gott eröffnet uns eine unsagbar hoffnungsvolle Perspektive, wie es für mich, und auch für Sie nach dem Tod weitergehen kann.

Ich bin die Auferstehung und das Leben.“, so Jesus. Und weiter: „Wer an mich glaubt, der wird leben, selbst wenn er stirbt. Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben. (Johannes 11,25-26).
Was gibt dem Statement von Jesus über den Tod und die Auferstehung so viel Gewicht? Was macht seine Aussage dazu so wertvoll und so glaubwürdig? Weil Jesus die ungeheure Macht des Todes kennt, und zwar aus eigener Erfahrung. Er hat die furchtbare Wucht des Todes selbst erlebt und kennt den ganzen Schmerz und die Trauer, die der Tod über uns bringt, wenn er Menschen mit einem Mal aus unserer Mitte reißt. Jesus sagt jenen Satz „Wer an mich glaubt, wird leben, selbst wenn er stirbt.“ Er sagt jenen Satz nicht als billigen frommen Trost einer Pfarrerin, die ja schließlich dafür bezahlt wird, anderen tröstliche Worte zu sagen. Jesus spricht diesen Satz auch nicht als Theologe, der sich an seinem Schreibtisch kluge und tiefsinnige Formulierungen einfallen lässt.

Jesus spricht diesen Satz als Betroffener. Er hat selbst gerade einen lieben Menschen verloren...................

Bollettino April https://moesano-ref.ch/assets/main/downloads/bollettino-aprile-.pdf

März 2022

Voll Lebensenergie in die kommende Fastenzeit - Ökumenische Kampagne 2022

Kennen Sie das auch? Am einen Tag sprühen Sie vor Energie, aber am anderen Tag will uns einfach nichts gelingen. In der Passion -Fastenzeit, also der Zeit vom Aschermittwoch bis Ostersonntag, geht es um den Blick auf Ostern, die Auferstehung Jesu und somit um unseren persönlichen Energiehaushalt. Was hilft mir, was gibt mir Kraft. Wie fülle ich meine Energiereserven wieder, wenn sie erschöpft sind? Sind es Freunde und Familienmitglieder, die uns Kraft geben? Ist es die Musik, das Gebet, der Sport?

Gleichzeitig geht es um unsere Erde und Mitmenschen, um Gerechtigkeit in der Welt, um Klimagerechtigkeit und ihre Auswirkungen auf verschiedene Länder. Dass sich unser Klima verändert, wissen wir alle. Überall auf der Welt wird es heisser, gibt es furchtbare Stürme, unglaubliche Regenfälle, Überschwemmungen, Erdrutsche. Warum dies geschieht, darüber forscht man natürlich, und dazu gibt es auch verschiedene Meinungen. Die junge Schwedin Greta Thunberg klagt die ältere Generation an, weil sie sich zu wenig um die Zukunft gekümmert hat und mit ihrem Lebensstil die Klimakatastrophe mitverantwortet. Ist das gerechtfertigt? Was hiess Fortschritt für frühere Generationen, was heisst das für mich? Zeitgeist und die Lebensumstände haben doch mit den technischen Entwicklungen und mit dem Menschenbild einer Gesellschaft zu tun. Das kann man doch nicht aufhalten, oder? Doch die junge Schwedin appelliert auch an die jüngere Generation, vernünftig mit unserem Planeten umzugehen. Denn jede Generation hinterlässt ihre Spuren, auf welchen die nächsten Generationen ihr Leben aufbauen muss. Aber Menschen setzen ihre Schwerpunkte und gehen mit ihren eigenen und den natürlichen Ressourcen unterschiedlich um. Für mich stellen sich bei der Auseinandersetzung mit diesen Themen noch weitere Fragen: Zu welchem Preis wurde der Fortschritt vorangetrieben? Wann realisierten die Menschen, dass es nicht endlos so weitergehen kann? Wie müsste sich unser Lebensstil zugunsten von Mensch und Natur verändern?In Genesis 1,27–28 heisst es: Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild und vertraut ihm die Erde an. Was heisst es, ein guter Verwalter / eine gute Verwalterin zu sein und wie gehen wir mit dem uns anvertrauten Gut um? Beherrschen oder verwalten wir die Erde?

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Bollettino Februar 2022

Redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. ( Eph 4,29)

Was wären wir Menschen ohne die Fähigkeit miteinander zu reden. Still wäre es um uns herum, sehr still. Worte sind unser “Beziehungswerkzeug”, sie dienen der Verständigung, der Information, dem Austausch. Wir können so unser gemeinsames Leben organisieren, streiten oder auch Freundschaft und Liebe bekunden. Wir können lehren und lernen. Wie wichtig es ist, sich mit Hilfe der Sprache verständlich machen zu können, spüre ich da, wo Menschen eine andere Sprache sprechen. Sofort ist alle Sicherheit verflogen – die Angst, nicht verstanden zu werden, macht unsicher. Ich erlebe es auch bei Menschen mit einem Schlaganfall, die ihre Sprache verloren haben. Plötzlich kann man sich nicht mehr verständlich machen, man bleibt sprachlos und unverstanden. Wie schlimm ist es auch für Menschen, die allein leben. Sie reden kaum noch mit jemanden. Nun ist es mit dem Sprechen aber auch so, wie mit vielen guten und wichtigen Dingen im Leben – es gibt auch eine schwierige und gefährliche Seite daran. Die Sprache ist auch eine “Waffe” und was wäre in unserer Menschheitsgeschichte nicht alles anders gelaufen, gäbe es die Sprache nicht! Ein falsches Wort und schon gibt es Streit. Manche Kriege haben ihren Anfang in Worten genommen. Worte können manchmal mehr verletzen als Schläge, sie treffen das Herz, zerstören das Vertrauen, können demütigen. Schnell Dahergesagtes, ohne grosses Nachdenken, kann viel Schlimmes unter Menschen anrichten. ...........

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Bollettino Januar 2022

Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen Joh 6,37

Ich lese die Verse und mir fällt sofort eine Geschichte vor ein paar Jahren ein, die ich mit meinen Kindern erlebt habe und die unvergesslich ist. Immer wieder mal klingeln Menschen an der Tür eines Pfarrers und bitten um Unterstützung. Meistens wollen die Menschen Geld, was man ja auch verstehen kann. Aber ich hatte mir vorgenommen, nicht einfach nur Geld zu geben. Nicht weil es Geld ist, sondern, weil ich oft Angst hatte, dass die Menschen sich dann Alkohol oder Drogen kaufen. Vielleicht auch, weil sie einer Drückerbande angehört haben und diese „ Schlepper“ sie dann gezwungen haben, das Geld abzugeben. Also kein Geld, sondern eine warme Mahlzeit oder etwas Süsses, was zum Anziehen.

Eines Tages steht wieder ein Mann vor unserer Tür. Man erkennt sofort: er lebte wahrscheinlich unter der Brücke, in einem verlassenen Haus oder irgendwo auf der Strasse. Erst wollte er Geld und liess sich nicht davon abbringen. Doch ich.............

Weiterlesen im Bollettino..........https://moesano-ref.ch/assets/downloads/bollettino-genn.m.pdf

Bollettino Dezember 2021

Weihnachten leben zwischen Krippe und Kreuz

Jemand erzählte mir letztens eine Geschichte, die so unglaublich war, dass man sie wirklich kaum glauben kann. Aber sie stimmt! Ich konnte mir nicht alle Details, wie Namen, genau merken. Aber die Handlung habe ich kapiert. Und ich gebe mein Bestes, sie hier wieder zu geben: Also H. Irrte, H. Erde und ihre Gefährten waren raue Gesellen. So rau, dass sie kein normales Leben führten. Viel mehr zogen sie obdachlos durch die Gegend und hüteten Schafe. Dieser Erwerb reichte gerade für das Nötigste und war jetzt auch nicht so wahnsinnig spannend. Obwohl, manchmal kann ja ein Tag im Leben alles Schäfchenzählen und im Gras dösen wettmachen. Denn eines Nachts ereignete sich schier Spektakuläres: der Engel des Herrn erschien ihnen, jawohl ihnen! - in strahlendem Licht. 

zum Weiterlesen........Bollettino

November 2021

Jesaja 1,10-18

Viele ringen in den Kirchen mit der Frage: Warum haben die Menschen kein Interesse mehr an der Kirche und ihren Angeboten? Warum wollen Menschen nicht mehr ihre Kinder taufen lassen? Warum treten immer mehr aus der Kirche aus? Warum ist das Image der Kirche schlecht? Haben die Menschen auch kein Interesse mehr an Gott? Sind andere Religionen besser? Auf jeden Fall begegnet uns derzeit grosses Desinteresse in Bezug auf die christlichen Kirchen und ihre Werte. Unser Predigtabschnitt aus dem Prophetenbuch fragt umgekehrt: Was ist, wenn Gott kein Interesse mehr an uns hat? Wie kommt das zustande? Können wir daran etwas ändern?

In einem der Verse hier am Anfang des Jesajabuches ist vom Angesicht Gottes die Rede. Wir kennen das sonst vom aaronitischen Segen am Ende des Gottesdienstes. „Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir.... Der Herr hebe sein Angesicht auf dich, über dich.“

Angesicht Gottes - zugewandt, freundlich, verheißungsvoll - und Segen - Zuspruch Gottes einschließlich materieller und immaterieller Güter. Beides bedeutet umfassend Gutes für die Gesegneten, für die, denen Gottes Angesicht sich zuwendet. Wir reden vom Ansehen, das jemand genießt. Segen bezeugt das Ansehen, das wir von Gott her bekommen. Ansehen, weil Gott uns ansieht. Im Hebräischen, der Sprache der Bibel, hat das Angesicht nicht wie im Deutschen mit Sehen zu tun, sondern mit Drehen. Gesicht: im Hebräischen, ein Wort nur im Plural, so wie im Deutschen etwa das Wort „Geschwister“. Gesicht ist also beides: das, was sich hindreht und das was sich wegdreht. Das, woran sich das Verhältnis von Mensch zu Mensch entscheidet. Von Gott zu Mensch.

Unser Abschnitt aus Jesaja ist ein Gegenstück zum aaronitischen Segen. Wenn Gott abgewandt ist, wenn Gott sich nicht zuwendet, sondert wegdreht, dann bedeutet das Schrecken, Untergang, Dunkelheit, letztlich Tod. Im 104. Psalm heißt es: „Verbirgst du dein Angesicht, Gott, so erschrecken die Menschen. Nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder zu Staub“. Kann es denn sein, dass Gott sich abwendet? Schweigt? Abwesend ist? Kann es sein, dass Gott keine Lust mehr hat an den Menschen, nicht einmal an seinen Liebsten, seinem Augapfel, wie er sonst sagt, seinem Volk?

Ja, sagt der Prophet, das kann nicht nur sein, das ist so. Denn Gott hat jene im Auge, die aus dem Blickwinkel gerieten. Unterdrückte. Solche, deren Rechte missachtet werden. Vor allem Minderjährige und Frauen, die keinen Rechtsbeistand hatten, der ihre Rechte durchsetzt. So ist es, faucht der Prophet. Darum hat Gott sich abgewendet. Darum schweigt Gott. Seine Augen, seine Ohren, sein Segen ist dort, wo ihr nicht hinschauen, nicht hinhören, nichts Hilfreiches tun wollt. So der Prophet, der Gottes Wort verkündet. Laut – vorwurfsvoll – wütend - gehässig und vor allem verzweifelt................https://moesano-ref.ch/assets/main/downloads/bollettino-nov.-D-.pdf

Bollettino Oktober 2021

Das Perlenarmband oder der „Rettungsring“

 Vor kurzem traf ich einen meiner besten Freunde wieder einmal. Er ist Schwede und lebt teilweise in Schweden auf einer kleinen Insel gegenüber der norwegischen Küste. Er hat mir ein Perlenarmband mitgebracht- einfach und schlicht- keine echte Perlen. Er fragt mich: Kennst du Martin Lönnebo, einen Bischof der lutherischen Kirche in Schweden? Hatte ich noch nie gehört! Er erzählt weiter: als dieser Pfarrer vor über 20 Jahren in den Ruhestand ging, überlegte er, wie er den Menschen seiner Kirche eine Hilfe zum Gebet, zum Leben und Glauben hinterlassen könnte.

Als Theologe dachte er dabei natürlich über ein Buch nach, reiste nach Griechenland, um sich zu erholen und über dieses Projekt nachzudenken. An den Abenden in griechischen Tavernen ( ich selbst liebe auch Griechenland und diese griechischen Tavernen!) beobachtete er einheimischen Fischer, die ihre orthodoxen Gebetsschnüre durch ihre Hände gleiten ließen. Da kam ihm die Idee, seiner Kirche statt eines Buches ein Perlenband zu hinterlassen, denn ein Perlenband kann man immer bei sich tragen. Er stellte sich die Frage: „Was ist das wichtigste für den Menschen, wenn er sich Gott nähert ?“ So saß Martin Lönnebo in Griechenland in der Taverne und versuchte für seine Kirche ein Gebetsband zu kreiiren, von ihm selbst „Rettungsring“ genannt.

 

Es enthält in seinen 18 Perlen die Botschaft des christlichen Glaubens, und zwar so, dass ein moderner Mensch sie ohne weiteres verstehen und mit seinen eigenen Lebenserfahrungen verknüpfen kann. Schnell verbreitete sich diese Idee in Schweden und darüber hinaus.Die Perlen sind sehr unterschiedlich, groß oder klein, rund oder länglich und in verschiedenen Farben. Jede Perle erinnert an ein besonderes Thema – wie Stille, Gelassenheit und Liebe

Bollettino September 2021  

Danksagung - Erntedank

Bollettino

Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und das Gebet. (1 Tim 4,4-5) Der September beginnt und wir gehen in langsamen Schritten auf den Herbst und das Erntedankfest zu. Wir sehen wie die Trauben und Früchte prall an den Zweigen hängen und freuen uns in diesem Monat nochmal an den warmen Sonnenstrahlen und dem Duft des Sommers. Erntedank steht bevor! Erntedank – ein Fest, das bei mir aber auch einen inneren Konflikt auslöst. Auf der einen Seite taucht das Bild prall gefüllter Regale mit Lebensmitteln in den Supermärkten auf, auf der anderen Seite Bilder in den Nachrichten von Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen, um ihr Leben zu retten und dabei Gefahr laufen, selbst dieses zu verlieren. Sie fliehen vor Terror oder vor Lebens-bedingungen in ihrem Heimatland, die dem Leben keine Würde lassen. Sie haben bei ihrer Flucht alles zurückgelassen, was ihnen lieb und wert war. Wie passt das Erntedankfest mit der Not so vieler Menschen zusammen? Auch in unserem Land gibt es immer mehr arme Menschen.







Feuer und Flamme - zusammen mit Gott für die Liebe entbrennen

Bollettino Juli August

Feuer und Flamme - Zusammen mit Gott für die Liebe entbrennen 

Bollettino

Sind Sie schon mal vor Leidenschaft für etwas entbrannt? Für Ihre Frau – Ihren Mann; Ihre Freundin – Ihren Freund;Ihre Familie; eine bestimmte Weinsorte oder ein bestimmtes Gericht;eine bestimmte Sache, ein Thema, das Sie nicht mehr losgelassen hat,wo Sie drangeblieben sind – sich bis heute engagieren?

Feuer und Flamme steht über diesem Gemeindebrief, der uns durch die Sommermonate begleitet. Das Feuer der Sonne wird uns hoffentlich häufig nach draussen locken und den Sommer genießen lassen, diese herrliche Natur, die wunderbaren Blumen und Farben. Aber hoffentlich wird das Feuer der Sonne nicht allzu häufig zu heisse Sonnenstrahlen abgeben, damit sie alle gesund bleiben!

Ob die Menschen dann noch in die Kirche kommen oder doch lieber in der Natur am Sonntag verweilen, werde ich manchmal als Pfarrerin gefragt. Sind sie im Sommer nicht für Gott entbrannt?

Ja, schön wäre es, wenn viele zum Gottesdienst und Gemeindefest am 29. August kommen, wenn die 6 Konfirmanden, die auf meiner Liste stehen, sich entscheiden würden, sich konfirmieren zu lassen.

Feuer und Flamme für etwas sein – etwas lieben – nicht nur für einen Augenblick – sondern länger anhaltend – unauslöschbar. In der Bibel gibt es ein kleines Buch von acht Kapiteln, das eine Sammlung von Liebesgedichten enthält. Sie werden dem weisen König Salomo zugeschrieben. Über viele Jahrhunderte hinweg haben jüdische und christliche Gelehrte diese menschlichen Liebesdialoge und -verse so umgedeutet, dass sie für die Liebeserklärung des einen Gottes (bzw. dann Christus) an sein Volk (seine Kirche) stehen. „Denn Liebe ist stark wie der Tod, und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. Ihre Glut ist feurig und eine gewaltige Flamme. Viele Wasser können die Liebe nicht auslöschen noch all die Ströme sie ertränken. Wenn einer alles Gut in seinem Hause um die Liebe geben wollte, würde man ihn verachten?“ (AT, Hohelied, Kapitel 8, Verse 6b-7)

So heißt es im Hohelied Salomos. Die Liebe brennt, sie brennt so stark, so intensiv, dass sie durch nichts zu löschen ist. Und wir Menschen, wir sehnen uns nach so einer Liebe, die nicht nur kurz entflammt, sondern wie ein ewiges Feuer hält. Durch unsere Erfahrungen wissen wir, dass es mit an uns liegt, dieses Feuer weiter brennen zu lassen, ihm weiter Brennmaterial zu geben, damit das Feuer nicht erlischt. Kaufen kann man diese Liebe nicht, denn es ist ein Gemeinschaftsprojekt – es erfordert den gemeinsamen Einsatz. 

Durch die Umdeutung auf den einen Gott ist uns so eine Liebe schon geschenkt, unauslöschlich. Eine Liebe, die nicht erworben werden kann, die nicht käuflich ist. Kein Geben und Nehmen, sondern reines Geschenk. So tief ist dieses Liebesbild zwischen Gott und Mensch verwurzelt, dass dieses Liebesmotiv auch der Schreiber der Johannesbriefe aufgreift: „Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Diese Liebe, Gottes Liebe, soll die Grundlage für die christliche Gemeinschaft sein, soll uns antreiben, vorwärtstreiben, soll Grundlage für alles weitere Handeln und Leben sein. Gott, der Liebhaber der Menschen – ich finde dies einen wunderbaren Gedanken.

Feuer und Flamme sein für die Liebe Gottes, auch in der Sommerzeit, und den Sommer in vollen Zügen geniessen, das wünsche ich uns allen von ganzem Herzen. 

Bollettino

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